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Reichlich Freiraum
Grundschule und Kirchgemeinden unterschreiben Kooperationsvertrag
Grabow. Kinder in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen die
Möglichkeit zu geben Konfliktsituationen zu erkennen und mit ihnen
umgehen zu lernen, das Miteinander zu fördern und damit die
Voraussetzungen für einen harmonischen Umgang untereinander zu
schaffen, das war der Ausgangspunkt für die Kirchgemeinde Grabow,
als man vor zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der Grundschule
„Eldekinder“ das Projekt „Einer Idee Raum geben“ auf den Weg
brachte.
Gelebt wurde das Projekt von Schülerinnen und Schülern der dritten
und vierten Klassen, die in verschiedenen Angebotsstunden im
Rahmen der vollen Halbtagsschule unterschiedlichsten Interessen nachgehen konnten. Dazu gehörte
unter anderem der von Ricarda Wenzel geleitete Kurs der Streitschlichter. Doch wie bei allen Projekten
sind neben ehrenamtlichem Engagement auch finanzielle Förderungen nötig, die hier seitens der
Landeskirche und der Kirchgemeinden Grabow und Neese geflossen sind. Mit Beginn des Schuljahres
soll nun ein weiteres Projekt unter dem Namen „Reichlich Freiraum“ auf den Weg gebracht werden, ein
Wunsch, der vor allem von den Kindern ausging und dem sich Schulleitung und Kirchgemeinden auch
künftig nicht verschließen wollen. Aus diesem Grund unterzeichneten am Donnerstag Propst Matthias
Wanckel und Schulleiterin Andrea Fuhrmann einen Kooperationsvertrag, der die gemeinsamen Ziele und
Forderungen an den anderen Partner genau festschreibt und somit auch Sicherheit und Richtung für die
kommen zwei Jahre vorgibt. Erfreut über die erneut besiegelte Zusammenarbeit zeigten sich nicht nur die
anwesenden Erwachsenen, sondern vor allem die Kinder, wie Bruno Thienelt, der sich durch Nachfrage
noch einmal ganz genau davon überzeugen wollte, auch weiterhin im Angebot der Streitschlichter
mitmachen zu können.
Zu den Angeboten, für die seitens der Schule ein sehr schöner Raum zur Verfügung gestellt wurde,
gehören neben den Streitschlichtern aber auch noch viele andere Angebote, wie Ricarda Wenzel
betonte: „Reichlich Freiraum – dahinter verbergen sich Angebote für einzelne Schüler, aber auch
Beratung für Eltern oder Angebote für viele Kinder, wie die Streitschlichter, Kartenspielen und Filzen oder
sogar für ganze Klassen, wie zum Beispiel das Projekt des sozialen Lernens. Dazu kommt die
Möglichkeit hier in diesem Raum einmal wöchentlich die Christenlehre durchzuführen, Lehrern die
Möglichkeit zu einem privaten Treff zu geben und der Elterntreff, der alle sechs Wochen stattfindet und
zu dem alle Eltern eingeladen sind, die Gesprächsbedarf haben oder einfach nur mal mit anderen Eltern
in Erfahrungsaustausch kommen wollen.“ Besonders positiv hervorzuheben ist dabei, dass auch das
Thema Integration von Behinderten in dem Projekt eine Rolle spielt. Bernd Kruse, seit seiner Geburt
spastisch gelähmt, wird künftig mit den Kindern gemeinsam Karten spielen und ihnen damit zeigen, dass
Behinderung kein Grund für Angst, Scheu oder gar Aggressionen sein darf und Menschen mit
Behinderungen durchaus genauso Freude am Leben haben. Der 59jährige freut sich sehr auf die
Aufgabe, seine Erfahrungen an die Kinder weitergeben zu können und hofft damit, auch Grenzen
abzubauen. Für Peter Schneider, der ab der nächsten Woche zu den Kartenspielern gehört, sind solche
Grenzen unverständlich: „Ich habe kein Problem damit, dass Herr Kruse behindert ist. Er kann super
Skat spielen und das will ich von ihm lernen.“
Mit dem Kooperationsvertrag sind die Weichen für die kommenden beiden Schuljahre gestellt. Und auch
Schulleiterin Andrea Fuhrmann ist sich sicher, hier einen kompetenten und engagierten Partner gefunden
zu haben. „Ziel der Grundschule ist ja auch Partner außerhalb der Schule zu finden. Die Kirche hier zu
uns herein zu holen, hat in der Vergangenheit zu einer tollen Zusammenarbeit geführt, die wir gern
fortsetzen möchten. Und deshalb freue ich mich, dass wir dies nun mit unserer Unterschrift besiegeln
konnten.“, so Fuhrmann abschließend.
Meinungen von Kindern:
Peter Schneider:
„Ich spiele total gerne Karten. Und ich freue mich auf das neue Angebot.
Herr Kruse wird uns bestimmt viel zeigen können. Ich finde, er ist ein ganz
normaler Mensch, nur dass er eben richtig gut Skat spielen kann.“
Chantal Stuth:
„ Ich mach bei den Streitschlichtern mit. Eigentlich wusste ich erst gar nicht,
was das ist und habe eigentlich nur aus Neugier mitgemacht. Aber es macht
richtig viel Spaß. Am besten finde ich den Gefühlswürfel. Mit dem kann man
zeigen, wie man sich gerade fühlt und ob man traurig oder fröhlich ist. Und
dann reden wir darüber.“
Brunow Thienelt:
„Ich finde das richtig gut, dass die jetzt den Vertrag unterschrieben haben.
Schon komisch, mal dabei zu sein, wenn Erwachsene so was machen.
Aber was zählt ist, dass wir weiter machen können. Ich bin auch bei den
Streitschlichtern. Und vielleicht kann ich ja später mal helfen, wenn sich
zwei streiten, denn streiten ist doof.“
Text und Fotos: Diana Ottoberg
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