Anlässlich des 100-jährigen Turmjubiläums wurde die Turmbeleuchtung installiert. 100 Jahre Kirchturm der Kirche Grabow Der große Brand von 1725 " ... Am 3. Juni 1725 vernichtete eine gewaltige Feuersbrunst fast die ganze Stadt. Auch das Rathaus, das Schloß und die Kirche gingen in Flammen auf; von letzter blieben nur die kahl aufragenden, rauchgeschwärzten Grundmauern stehen. Während sich bald nach dem Brande in der Stadt fleißige Hände regten, die Schäden zu heilen, ging der Wiederaufbau der Kirche langsamer vor sich. ..." (Quelle: "Land und Leute" Nr.: 5 1960) "... Die Kirche war ein großer, massiver Bau mit Ziegeldach. Der hohe bis ans Dach gebaute Turm trug drei Glocken und war von einem steilen Helm gekrönt, der unten mit Ziegeln, oben mit Schindeln bedeckt war. Außerdem saß auf dem Kirchendach noch ein kleines, mit Schindeln gedecktes Holztürmchen, in dem eine kleine "Klingelglocke" hing. ..." (Quelle: Der große Brand Grabows 1725 und der  Wiederaufbau der Stadt; 1931 / Studienrat O. Kurz) Ansicht des Kirchturms vor dem großen Brand von 1725 * * * Der Wiederaufbau der Kirche nach dem Brand von 1725 (ohne Turm) " ...Der Wiederaufbau der Kirche ging langsam vor sich. Die Gelder dazu mußten durch Kollekten eingebracht werden. In den Jahren 1725 - 27 wurden deren mehrere in den mecklenburgischen Kirchen abgehalten. Es war aber damals auch Brauch, daß aus abgebrannten Städten sich Bürger auf den Weg machten, ausgerüstet mit Ausweisschreiben der Magistrate oder auch mit Erlaubnisscheinen  von Fürsten, und in den Städten des eigenen oder der Nachbarländer vor den Kirchen und in den Häusern Geld für ihre abgebrannte Kirche sammelten. So zogen auch von Grabow solche Kollektanten hinaus: 1725 der Ratsverwandte Franz Heinr. Reinicke und der Bürger Jochim Pölchow nach Lübeck, Hamburg und anderen Orten, 1726 der Organist Ludolf Sellschopp, der Küster und Buchbinder Christian Meier, der Amtsmaurermeister Christian Reichel und der Freischuster Joachim Eberhard nach Holstein und bis hinauf nach Kopenhagen.    Die gesammelten Gelder wurden gewöhnlich in 3 Teile geteilt und für den Wiederaufbau der Kirche, der Predigerhäuser und auch des Rathauses verwendet.  Am 20. März 1726 hatte der Herzog durch die Kommission angeordnet, daß zur Förderung des Kirchenbaues dem Kirchenprovisor, Bürgermeister Scheffer, und den Ökonom Blume 6 Bürger, darunter 2 aus dem Rate, zugeordnet wurden, von denen alle Tage, wie die Umstände es erforderten, wechselweise einer oder zwei die Aufsicht über den Kirchenbau, die Arbeiter und die Materialien haben sollte. Dabei hatten sie "fleißig und getreu" sich zu verhalten und "solche Geschäfte zu Ehre Gottes und nach unserem gnädigen Willen ohne richtiges Entgeld williglich zu übernehmen". Vom Justizrat Amsel warden die Ausgewählten durch Handschlag dazu verpflichtet worden.     Trotzdem hatte der Kirchbau bis zum September 1726 nur wenig Fortschritte gemacht. In dem Begleitschreiben eines damals hinausgehenden Kollektanten heißt es, man bitte "alle hohen, mittleren und niederen Standesherrschaften um christliche Beihilfe, um die auf einer Seite annoch sonder Dach und gar ohne Fenster und Turm, also dem umhergehenden Vieh wie den Menschen annoch offen stehenden und gar jämmerlich aussehende Kirche einigermaßen zu ergänzen".  Und Pastor Hinck beklagte sich am 2. Oktober 1726 beim Herzog, daß man wohl viel Kollektengeld fürs Rathaus verbaue, aber für die Predigerhäuser, Schulen und Kirche wenig tue. Daraufhin forderte der Herzog am 5. November 1726 einen eingehenden Bericht über die Einnahmen an Kollektengeldern und ihre Verwendung, über den Stand des Kirchenbaues, und ob die zur Aufsicht bestimmten Bürger ihre Pflicht tun. Dabei stellte sich heraus, daß in der Verwaltung der Gelder eine große Unordnung herrschte, denn mehrere Verwaltungsstellen hatten eingenommen und ausgegeben. Die Predigerhäuser waren inzwischen fertig geworden, an den Schulen aber war noch nichts getan, und auch der Kirchenbau lag aus Mangel an Geld ganz darnieder: "Die Kirche ist zwar mit Scharwerk und Balken wiederum versehen, auch soweit das Gewölbe gehet, wiederrepariert worden; die Kirche sonsten an Dach noch nicht halb wieder zugedecket, auch Boden, Türen, Fenster, Stühle, Altar, Kanzel und sonsten alles fehlet, auch der Turm ohne das Mauerwerk, das bestehen geblieben, ganz unbebauet steht". 1728 fand dann nochmals eine Landeskollekte statt, und 1733 war die Kirche endlich soweit fertig, daß die Kanzel, ein Geschenk aus Lübeck, hineingebaut werden konnte. 1734 wurde dann auch der Altar aufgestellt, ein kunstvolles Schnittswerk aus dem Jahre 1339, das von Meister Bertram, einem aus Minden in Westfalen nach Hamburg eingewanderten Künstler, stammte und von einem Hamburger Bürger, Johann Hellwig Gerdes, von der St. Petri- Kirche in Hamburg aus Liebe für die Grabower Kirche losgebeten worden war. 1739 wurde das Orgelchor und 1741 die Orgel erbaut; 1747 vollendete man den Turm und hängte die von Laurentz Strahlborn gegossenen Glocken hinein. ..." (Quelle: Der große Brand Grabows 1725 und der Wiederaufbau   der Stadt; 1931 / Studienrat O. Kurz) " ...Anstelle des massiven hohen Turmaufbaus mit seitlichen Treppengiebeln setzte man lediglich ein niedriges Glockengeschoß auf den verbliebenen Unterbau. 1764 zerstörte ein Blitzeinschlag abermals die Turmspitze, die 1772 noch nicht wieder hergestellt war. ..." (Quelle: Mittelalterliche Stadtkirchen Mecklenburgs; Ulrich Hermanns; Thomas Helms Verlag Schwerin)   " ...Seit dem großen Brand Anfang Juni 1725 blieb der Turm 50 Jahre eine Ruine ohne Abschluss, erhielt dann eine Glockenstube aus Fachwerk, die etwa auf Höhe des Dachfirstes abschloss. Auf alten Fotografien kann man dies noch sehen. Es blieb aber die Erinnerung, welch ein Wahrzeichen der alte Turm war, weithin sichtbar im Land, ein Zeichen: Seht, hier ist eine blühende Stadt mit Handel und Gewerbe. ..." (Quelle: Predigt Pastor Wanckel anlässlich des Stadtfestes am 24.06.2007) Ansicht des Kirchturms bis 1906 * * * Der Wiederaufbau des Kirchturms 1906/07 " ... Man war in Grabow immer auf dem Posten. Nur einmal nicht. Aber die Kunstverantwortlichen des Landes versagten auch. Bis 1903 trug der Kirchturm das unansehnliche Notdach, das man ihm nach dem großen Stadtbrand aufgesetzt hatte. Man wollte den alten Turmschluß, wie alte Kupferstiche ihn zeigten, wiederhaben, und man hat ihn auch bekommen. Das kostete Geld, und man verschaffte es sich, indem man den alten Altar, den die Hamburger Petri-Kirche 1725 für die Wiedereinrichtung des ausgebrannten Gotteshauses geschenkt hatte, verkaufte. Der Handel brachte runde 65000 Mark und damit die fehlenden Baumittel ein. Niemand aber schöpfte Verdacht, daß ein so gewiegter Kunstkenner wie der Hamburger Museumsdirektor Lichtwark alles daran setzte, um den Altar in seine Hand zu bekommen. Niemand kam auf den Gedanken, daß das ein Beweis für den überdurchschnittlichen Wert des Werkes sein müsse. Nun, geschehen ist geschehen: Die Grabower haben seitdem ihren schönen Kirchturm, und die Hamburger haben in ihrer Kunsthalle den Altar des Meisters Bertram, den die Kunstgeschichte, obwohl er ja eigentlich aus Hamburg stammt, den Grabower Altar nennt. Das ist eine Erinnerung, bei der man sich hinter den Ohren kratzt. Aber gibt es irgendeine Stadt- oder Menschengeschichte ohne einen Punkt, an dem man nicht das Verlangen spürt, sich hinter den Ohren zu kratzen? ..." (Quelle: Mein Mecklenburger Land; Edmund Schröder; erschienen 1961 im Petermänken-Verlag Schwerin)   " ... 1906-1907: Rekonstruktion der oberen beiden Turmgeschosse in den Formen des zwischen 1609 und 1725 bestehenden Aufsatzes. Baubeginn Juli 1906, vollendet im Oktober 1907. Zweigeschossiger Ziegelaufbau mit quergestelltem, kupfergedecktem Satteldach und Dachreiter. Seitliche Staffelgiebel mit Putzblenden und Uhrenfeld. Geschoßteilung durch Rundbogen-, Treppen- und Vierpaßgesimse. Im Glockengeschoß an West- und Ostseite drei spitzbogige Schallöffnungen, an den Seiten und im Zwischengeschoß jeweils zwei spitzbogige Öffnungen bzw. Fenster. Alle mit dreifach getrepptem Gewände, eingelegtem Rundstab und steiler Sohlbank. Fenster mit einfachem Stabwerk und Zwickelokulus. An der Westseite des Untergeschosses oberhalb des Portals anstelle einer rundbogigen Öffnung ein Okulus angebracht. Anbau eines Treppenturmes an der Südseite, Verfüllung des intramuralen Aufgangs in der Südwestecke des Unterbaus. Turmhalle mit Sterngewölbe und offenem Ringschlußstein (Glockentransportöffnung); Rippen mit Birnstabprofil setzen in den Ecken auf halbrunden Wandvorlagen an, Kapitelle mit Dreiecksschilden. ..." (Quelle: Mittelalterliche Stadtkirchen Mecklenburgs; Ulrich Hermanns; Thomas Helms Verlag Schwerin) Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Grabow